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LänderfokusBy EU Inc Guide··6 Min. Lesezeit

Notarkosten bei der GmbH-Gründung: Was EU Inc überflüssig machen will

Die Beurkundung kostet bei der GmbH-Gründung rund 800 EUR und Wochen an Vorlauf. Die geplante EU Inc streicht den Notar komplett. Die Zahlen im Vergleich.

Die notarielle Beurkundung kostet bei einer deutschen GmbH-Gründung rund 800 EUR und verursacht einen großen Teil der 4 bis 6 Wochen Gründungsdauer – einen legalen Weg daran vorbei gibt es nicht. Die geplante EU Inc streicht diesen Schritt vollständig: Nach COM(2026) 321 dürfen Mitgliedstaaten keine notarielle Beurkundung verlangen, und die gesamten Gründungskosten sollen unter 100 EUR liegen. Für deutsche Gründer ist der Notar der Punkt, an dem sich beide Systeme am konkretesten unterscheiden – in Euro und in Wochen.

Die Europäische Kommission hat den Kontrast bei der Vorstellung von EU Inc am 18. März 2026 selbst gezogen: Die Registrierung der neuen Rechtsform soll vollständig online erfolgen, innerhalb von 48 Stunden, ohne Notar. Dieser Artikel zeigt, was damit im deutschen Gründungsprozess konkret ersetzt würde.

Warum die deutsche Gründung über den Notar läuft

Deutsches Recht verlangt die notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrags einer GmbH – und ihrer 1-Euro-Variante, der UG. Der Notar prüft die Identität der Gründer, beurkundet die Gründungsdokumente und meldet die Gesellschaft beim Handelsregister an. Rechtlich existiert die Gesellschaft erst, wenn diese Kette abgeschlossen ist.

Die Funktion ist real – der Notar sichert die Integrität des Registers – aber sie ist auch ein Engpass. Jede Gründung braucht einen Termin, jede Satzungsänderung einen weiteren, und auch GmbH-Anteilsübertragungen müssen beurkundet werden. Die Kosten begleiten die Gesellschaft ihr ganzes Leben, nicht nur bei der Gründung.

Was der Notarschritt kostet

Notargebühren sind in Deutschland gesetzlich festgelegt (GNotKG) – planbar, aber nicht verhandelbar. Für eine Standard-GmbH-Gründung nennt die Branche durchgängig diese Größenordnungen:

  • Beurkundung einer Standardgründung: rund 800 EUR. Gründungsdienstleister beziffern eine vollständige GmbH-Gründung auf etwa 27.000 bis 29.500 EUR inklusive der 25.000 EUR Stammkapital – nach dem Kapital selbst ist der Notar der größte Kostenblock.
  • Handelsregistereintrag: rund 150 EUR bei Bareinlagen, rund 240 EUR bei Sacheinlagen.
  • Vereinfachter Weg: Eine UG mit Musterprotokoll senkt die Notarkosten deutlich (typischerweise auf einen niedrigen dreistelligen Betrag), begrenzt die Struktur aber auf drei Gesellschafter und einen Geschäftsführer – und der Termin bleibt Pflicht.

Die indirekten Kosten sind Zeit. Seit 2022 ist die Online-Beurkundung zulässig, in der Praxis dauert der digitale Weg aber oft länger oder scheitert an Authentifizierungsproblemen. Eine Gründung dauert typischerweise weiterhin 4 bis 6 Wochen.

Was EU Inc stattdessen vorsieht

Der Vorschlag ersetzt das notarielle Tor durch ein digitales. EU Inc-Gesellschaften sollen über eine zentrale EU-Schnittstelle auf Basis des bestehenden Business Registers Interconnection System (BRIS) gegründet werden – innerhalb von 48 Stunden, für maximal 100 EUR. Die für Deutschland entscheidende Bestimmung: Mitgliedstaaten dürfen keine zusätzlichen Formerfordernisse wie eine notarielle Beurkundung verlangen.

Das Digitalprinzip reicht über die Gründung hinaus. Gesellschafterversammlungen, Anteilsausgabe, Kapitalerhöhungen und Anteilsübertragungen sind digital konzipiert – die wiederkehrenden Beurkundungskosten, die eine GmbH durch ihren Lebenszyklus begleiten, haben im Vorschlag kein Gegenstück.

KostenpositionGmbH heuteEU Inc (Vorschlag)
Beurkundung der Gründung~800 EUREntfällt
Handelsregistereintrag~150-240 EURIn der 100-EUR-Obergrenze enthalten
Spätere AnteilsübertragungenBeurkundungspflichtigDigital nach dem Vorschlag
SatzungsänderungenNeue BeurkundungDigital nach dem Vorschlag
Gründungsdauer4 bis 6 Wochen48 Stunden (Ziel)

Was das nicht bedeutet

Drei ehrliche Einschränkungen. Erstens: EU Inc ist ein Vorschlag – das notarfreie Design muss die Ratsverhandlungen überstehen, und die Rolle der Notare ist genau die Art von Bestimmung, um die Mitgliedstaaten ringen. Es ist zu erwarten, dass das deutsche Notariat für Schutzmechanismen argumentiert. Zweitens: Die 100 EUR sind das Ziel der Kommission für die Gründung selbst, keine Garantie für die gesamten Startkosten – Bankkonto, steuerliche Erfassung und Beratung kommen in jedem System dazu. Drittens: Deutsche Notare stempeln nicht nur – wer die eingebaute Rechtsberatung schätzt, muss sie sich künftig anders beschaffen.

Das Europäische Parlament stützte das Gesamtkonzept im Januar 2026 mit 492 zu 144 Stimmen, und die EU-Spitzen haben Ende 2026 als Frist für die politische Einigung bestätigt. Ob die No-Notar-Regel unverändert übersteht, ist einer der Punkte, die sich auf unserer Timeline verfolgen lassen.

Unterm Strich

Für deutsche Gründer ist die Notarpflicht nicht der größte Kostenfaktor der GmbH – das sind die 25.000 EUR Kapital – aber der starrste: feste Gebühren, Pflichttermine und Wiederholungsbesuche bei jeder Strukturänderung. Der EU Inc-Vorschlag streicht diese Kategorie komplett. Kommt die Verordnung in der vorgeschlagenen Form, lautet die praktische Frage für 2027: Brauchen Sie noch eine Gesellschaft deutschen Rechts – oder nur eine Gesellschaft, die in Deutschland funktioniert?

Alle Kriterien im Überblick in unserer Vergleichstabelle, oder prüfen Sie Ihre Situation mit dem Assessment-Tool.

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